Dienstag, 19. Mai. 2026: ab 14 Uhr, Kaffee und Kuchen gegen Selbstkostenpreis in der Begegnungsstätte von ge.ni.al im alten Pfarrhaus, direkt neben der Christuskirche, Limperstraße 13, Recklinghausen
Orgelkonzert und Führung Christuskirche in Recklinghausen: 15:00 Uhr
Transfer nach Dortmund: 16:00 Uhr
Führung Immanuel-Kirche in Dortmund-Marten: 17:00 Uhr
Einkehr: 18:00 Uhr Altes Brauhaus
Kosten: 15 EUR für Führungen und Transfer
Zwei typische evangelische Kirchen, beide entworfen vom Wuppertaler Architekten Arno Eugen Fritsche, waren die Ziele der Exkursion, diesmal in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Recklinghausen und besonders deren Vorstandsmitglied Bärbel Baucks. Als langjährige Pfarrerin der Kreuzkirche, die das Gotteshaus der Kultur und dem Kulturverein öffnete, ist sie den SinsenerInnen bestens bekannt.
Quasi vor unserer Haustür steht in Recklinghausen trutzig die 1911 eingeweihte Christuskirche, die größte Kirche im Vest. Der ehemalige Pfarrer der Kirche, Eugen Soika, gab uns eine umfassende Führung. Massiv wirkt die Kirche mit ihren Mauern aus Muschelkalk-Blöcken, wie eine Burg. „Ein feste Burg ist unser Gott“, so lautet das unter der grünen Kirchturmspitze eingemeißelte Zitat aus einem Choral Martin Luthers. Die in der Kaiserzeit rasant gewachsene evangelische Gemeinde im traditionell katholischen Recklinghausen wollte hier ihre Bedeutung für alle sichtbar machen – und auch hörbar: Gleich drei Glocken rufen zum Gebet. Ganz oben kräht ein großer goldener Hahn.
Und welche Überraschung beim Betreten des Innenraums: Man befindet sich in einem nicht von Säulen verstellten, von Licht durchfluteten, weiß gestrichenen Rundbau, dessen Größe man von außen nicht vermutet hätte. 1100 Gläubige fanden hier einst Platz. Die im Halbkreis angeordneten, leicht gebogenen Holzbänke ermöglichen von überall freie Sicht auf den Kanzelaltar mit der Orgel dahinter. Das Wort, vorgetragen vom Pastor, sollte ganz klar im Mittelpunkt stehen.
Nach gravierenden Zerstörungen im Krieg ist die Kirche in den Jahren 1959 sowie um 1990 herum renoviert worden. Von der ursprünglichen, jugendstilmäßigen, bunten Schablonenbemalung des gesamten Innenraumes ist heute nichts mehr zu sehen. Die bunten Fenster sind neueren Datums und die frühere Anordnung von Altar und Kanzel entsprach nicht mehr der heutigen Vorstellung von Gemeinschaft in der Kirche. Geblieben sind lediglich der Altartisch, die Holzbänke (deutlich besser zum Sitzen geeignet als modernes Gestühl), zwei runde Fenster an den Wänden der Empore und ein steinerner Engel.
Die gute Akustik im Raum konnten wir bei einer musikalischen Klangreise genießen, einem kleinen Orgelkonzert, das Bernhard Spickermann eigens für uns zusammengestellt hatte. Die imposante Orgel, geschaffen im Jahr 1960 von der Firma Paul Ott, konnte er allerdings nicht ganz alleine bespielen, denn sie ist rein mechanisch. Zum Ziehen der Register hatte er seine Frau mitgebracht. Auch außerhalb von Führungen wie der unsrigen oder Gottesdiensten kann man hier Musik genießen, etwa in diesem Jahr im Rahmen der Ruhrfestspiele.
Zur zweiten Kirche in Dortmund-Marten ging es per Linienbus über die Autobahn, und passenderweise war der Fahrer Pfarrer.
Das Äußere der Immanuel-Kirche, auch ein Zeugnis großen protestantischen Selbstbewusstseins, erinnert mit seiner ebenfalls massiven Bauweise durchaus an die nur wenige Jahre später gebaute Recklinghäuser Christuskirche. „Ein feste Burg ist unser Gott“ ist auch hier in Dortmund zu lesen, allerdings mit dem Zusatz „ein gute Wehr und Waffen“. Es war die späte Kaiserzeit; sechs Jahre nach der Einweihung begann der Erste Weltkrieg.
Wer nun auch einen ähnlichen Innenraum wie in Recklinghausen erwartet hatte, wurde eines besseren belehrt! Ilja Czech, eigentlich Küster der Dortmunder Hauptkirche, der Reinoldikirche, erläuterte uns die Konzeption und Architektur. Inmitten von Zechen gelegen, entging diese Kirche im Zweiten Weltkrieg schlimmeren Zerstörungen. So konnte man hier in Dortmund-Marten bei der Renovierung die ursprüngliche Jugendstilausmalung wieder herstellen. Auch die originalen Jugendstilfenster, die größten in ganz Deutschland, sind hier noch zu bewundern. Die Anordnung von Kanzel und Altar ist noch wie früher, auch wenn die Kanzel nicht mehr benutzt wird. Gepredigt wird heute eher auf Augenhöhe mit der Gemeinde, die wie in Recklinghausen auf im Halbkreis angeordneten Holzbänken mit hohen Rückenlehnen Platz findet.
Doch wie passen über 1000 Menschen in den vergleichsweise kleinen Innenraum? Die Lösung liegt auf der rundum laufenden Empore, wo noch einmal so viele Plätze zur Verfügung stehen, von unten nur zu erahnen! Die große Orgel über der Altarkanzel (in katholischen Kirchen eine undenkbare Position) funktioniert nicht mehr, wurde aber nicht abgebaut. Heute wird die Musik auf einer digitalen, weit weniger imposanten Orgel erzeugt. Auch diese Kirche wird inzwischen nicht nur für Gottesdienste genutzt. Eine Oscar-Replik verweist auf hier stattfindende Kino-Vorführungen.
Vor der Bus-Rückfahrt erfolgte natürlich noch der kulinarische Abschluss: Im Alten Brauhaus gleich um die Ecke wurden deftige Schnitzel-Varianten aufgetischt. Oder Nudeln. Und Bier.
Fazit: Eine rundum gelungene Exkursion. Die Kooperation mit der evangelischen Akademie sollte fortgeführt werden!
Kulturverein sinsener art.
Vorsitzende: Helga Harder-Kühne
Mail an die Vorsitzende:
[email protected]
Kassenwart: Andreas Hellmons
