Exkursion Nr. 75: Fluxus in Bochum

 

Mit der Bahn zum Bochumer Kunstmuseum

 

14. November 2025, 13:10 Uhr ab Bahnhof Marl-Sinsen mit dem RE 41 nach Bochum
Führung: 15:30 Uhr Museum

Einkehr: 17:30 Uhr Parkschlösschen

Kosten: 18 EUR für Bahnfahrt, Eintritt und Führung

 

Kurz nach der Ankunft am Bochumer Hauptbahnhof, übrigens pünktlich, verschaffte uns eine riesige Skulptur aus vier rostigen Corten-Stahl-Platten einen Vorgeschmack auf nicht einfach zu verstehende Kunst: Richard Serras „Terminal“, seit 1979 auf einer Verkehrsinsel vor dem Bahnhof und damals hoch umstritten.

 

Mit moderner Kunst ging es im Kunstmuseum auch weiter. Bochum präsentiert in einer alten, direkt am Bochumer Stadtpark gelegenen Villa eine vielseitige Sammlung zeitgenössischer europäischer Kunst. Als Gemäldegalerie bereits 1921 gegründet, erhielt das Museum 1983 einen großen, modernen Neubau mit kleinem Café, Bibliothek und Dachterrasse. Anstelle von Treppen führt eine barrierefreie breite Rampe von Etage zu Etage und schafft vor einem riesigen beeindruckenden Wandbild immer neue Perspektiven auf weitere Ausstellungsstücke hochkarätiger Künstler wie Gerhard Richter, Andy Warhol, Henry Moore, Kuno Gonschior, Norbert Tadeusz, Günther Ücker, Günter Fruhtrunk und vieler anderer. Mehrfach dabei ist auch Wolf Vostell, den MarlerInnen bekannt durch „Mit(h)ropa“ im Glaskasten oder die „Tortuga“ vor dem Rathaus.

 

Die aktuelle Ausstellung HOW WE MET zeigt auf zwei Etagen Werke aus einer außergewöhnlichen Sammlung an Fluxus-Kunst. Sie wurde dem Museum von der Bochumer Galeristin Inge Baecker (1943-2021) vermacht. Eine ungewöhnliche Art der Hängung mit Hilfe von baustellenähnlichem Gestänge und Holzrahmen stieg durchaus auf Begeisterung bei den Sinsener AusstellungsmacherInnen. So mancher könnte es sich auch für die Kreuzkirche vorstellen.

 

Die Fluxus-Bewegung, in der auch Bochum eine wichtige Rolle spielte, ordnete sich seit den 1960er Jahren ein in die Proteste gegen Kapitalismus und Vietnamkrieg, knüpfte an die Rebellion der Studenten an und versuchte, das Bewusstsein der Menschen durch künstlerische Aktionen, Performances, Musik, Architektur zu verändern. Schauplatz war nicht mehr nur das Museum, sondern die Straße, der öffentliche Raum. Auch die jetzige Ausstellung findet teilweise im Außenraum statt; sie anzusehen, müsste man wiederkommen. Provozierend wurde der bürgerliche Kunstgenuss vorgeführt, hinterfragt, etwa durch Wolf Vostells kalbende Kuh im Kölner Kunstverein: Sie führte zum riesigen Eklat, während die Entrüsteten sich abends sekttrinkend im Fernseh-Sessel von Gräueln des Vietnamkriegs berieseln ließen.....

 

Auch wenn man am Ende an papiernen Girlanden noch selber tätig werden durfte – nicht alle BesucherInnen aus Marl fanden an dieser Art von Kunst Geschmack. Wohl aber an der Speisenkarte des benachbarten Parkschlösschens. Von Muscheln über Grünkohl, Matjes, Leberkäs bis hin zu Ruhrpott Tapas – hier war zum kulinarischen Abschluss für jeden etwas dabei.