Mechanik und Menschlichkeit – zweimal 100 jahre eva aeppli und jean tinguely

Life Saver: Brunnen von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle in der Duisburger Brunnenmeile

Eva Aeppli, Jean Tinguely, Erste Hexe, 1990–91, © Susanne Gyger, Luzern, VG Bild-Kunst Bonn 2025, Foto Thomas Köster_KunstArztPraxis.de
Eva Aeppli, Jean Tinguely, Erste Hexe, 1990–91, © Susanne Gyger, Luzern, VG Bild-Kunst Bonn 2025, Foto Thomas Köster_KunstArztPraxis.de
Eva Aeppli, La Table_Die Tafel, 1965–67, © Susanne Gyger, Luzern, Foto Christoph Reichwein
Eva Aeppli, La Table_Die Tafel, 1965–67, © Susanne Gyger, Luzern, Foto Christoph Reichwein
Jean Tinguely, Cenodoxus, 1981, © VG Bild-Kunst Bonn 2025, Foto Christoph Reichwein
Jean Tinguely, Cenodoxus, 1981, © VG Bild-Kunst Bonn 2025, Foto Christoph Reichwein

7. 8. 2025 13:00 Uhr, Bahnhof Marl-Sinsen, mit dem RE 42 nach Duisburg Führung: 16:00 Uhr Lehmbruck-Museum
Einkehr: 18:00 Uhr im Café Museum-Duisburg
Kosten:  22 EUR für Bahnfahrt, Eintritt und Führung
Rückkehr:  21 Uhr

Das Lehmbruckmuseum zeigt eine Sonderausstellung mit dem Schweizer Künstlerpaar Eva Aeppli (1925-2015) und Jean Tinguely (1925-1991). Beide wären diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.

 

Vorweg, als ersten Höhepunkt, schauten wir uns den Life Saver in der Duisburger „Brunnenmeile“ an. Niki de Saint Phalle, die zweite Ehefrau von Tinguely, hatte ihn als Gemeinschaftsarbeit mit ihrem Mann geschaffen. Das Modell schenkten sie dem Lehmbruck-Museum, wo es aktuell ausgestellt ist und wir es in Augenschein nehmen konnten.

 

Der zweite Höhepunkt war das Gebäude des Museums selber, 1964 erbaut von Manfred Lehmbruck für die Skulpturen seines Vaters Wilhem (1881-1919). Die damals ganz neue Architektur mit viel Glas und teils geschwungenen Wänden wirkt trotz wuchtigen Sichtbetons transparent und einladend, ist noch heute beeindruckend und bietet den Kunstwerken eine hervorragende Bühne.

 

Als dritten Höhepunkt verschaffte uns der kundige Kunsthistoriker, der uns führte, einen sehr erhellenden Überblick über die Entwicklung des Namensgebers des Museums, Wilhelm Lehmbruck: Zunächst am Ideal der griechischen Antike ausgerichtet, wurden seine Figuren seit etwa 1911 immer expressionistischer, abstrakter, mit gelängten Gliedmaßen; seit den niederschmetternden Eindrücken des Ersten Weltkriegs gebeugt, gestürzt. 1919 nahm er sich das Leben.

 

Und wie kommen Schweizer Künstler ausgerechnet nach Duisburg? Jean Tinguely war 1976 der dritte Träger des seit 1966 alle fünf Jahre verliehenen Wilhelm-Lehmbruck-Preises und blieb der Stadt anschließend treu.

Berühmt wurde er für seine kinetischen Objekte, Maschinenskulpturen, zusammengesetzt aus Werkzeugen, Spielzeug, allem möglichen Schrott – Hauptsache beweglich, oft laut, rappelig. Bilder zu malen, etwas Fertiges zu erschaffen reichte ihm nicht. Einiges davon ist ausgestellt.

 

Ganz anders die mehr introvertierte Eva Aeppli, Tinguelys erste Frau, mit der er zwar nur bis 1960 zusammenlebte, jedoch bis zu seinem Tod freundschaftlich zusammenarbeitete. Die meisten ihrer hier zu sehenden Werke sind Stoffpuppen verschiedener Größen, meist aus Samt, Seide, Leder, gefüllt mit Kapok und bis hin zu den langen Fingern, Lippen, Augenbrauen, Falten komplett handgenäht. Androgyne Figuren. Gruselig sind die Gesichter, von Schmerz geprägt, die Münder zum Schrei geöffnet. Obgleich der Tod allgegenwärtig erscheint, findet man auch Elemente voller Komik.

 

„Die Werke von Aeppli und Tinguely sind voller subversiver Energie. Mit schwarzem Humor und anarchischer Kraft brechen sie den Bann des Todes und sprühen von Übermut und Lebensfreude. Ihre Werke verkörpern die Freiheit, sich über den Tod lustig zu machen – und ihn dadurch seiner Macht zu berauben.“ So heißt es auf einer der Text-Tafeln im Museum. Um’s Nachdenken kommt man jedenfalls nicht herum. Vive la vie! Vive la Mort!

 

Als fünften und letzten Höhepunkt nach so viel schwerer Kost genossen wir auch leichtere, als kulinarischen Abschluss im benachbarten Museumscafé bei allerlei Delikatessen zwischen Sülze und Burger.